Römisches Reich - S.P.Q.R.
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Legionen

Das Herz des römischen Militärwesens stellten die sogenannten Legionen da. Bei diesen handeltete es sich um selbstständige Verbände von mehreren tausend Mann, unterteilt in Infanterie und eine kleine Reiterei. Während der langen Geschichte des Römischen Reiches waren die Legionen mehrfach von Reformen und den damit verbundenen Änderungen betroffen. So wandelten sich ihre Zusammensetzung, ihre Ausrüstung und auch ihre Größe immer wieder.

Ihren Ursprung hatte die Römische Legion vermutlich in der "Hopliten-Phalanx", die mit Lanzen ausgestattet war. Laut Quellen, die vor dem 4 Jahrhundert v. Chr. jedoch als unsicher gelten, bestand die Legion zu Beginn aus 3000 Fußsoldaten und 300 Reitern. Nachdem sich die Bergrömer mit den Hügelrömern vereinigt hatten, wurde die größe der Legion erst verdoppelt und nach dem Bau der ersten Stadtmauer erneut vergrößert.
Anfangs gab es im Römischen Reich noch kein stehendes Heer, sondern eine Bürgermiliz die nur im Kriegsfall zu den Waffen griff. Da die Ausrüstung von den Bürgern selbst getragen werden musste, kamen die Reichsten meist zur Reiterei, während die Ärmeren in der leichten Infanterie dienten. Das Alter der Legionäre erstreckte sich von 18 bis 46 Jahre.

Eine erste Reform ist aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. überliefert, als die starre Ordnung der Phalanx durch eine flexible und schachbrettartige Manipularordnung ersetzt wurde, was die Kampfstärke enorm erhöhte.
Unter dem römischen Konsul Marius kam es ab dem Jahre 104 v. Chr. zu einer sehr weitreichenden Heeresreform. Ab sofort mussten die Legionäre nicht mehr selbst für ihre Waffen aufkommen, was auch die Einstufung in Vermögensklassen überflüssig machte. Stattdessen begannen nun alle Soldaten als Leichtbewaffnete und stiegen erst nach und nach in höhere Klassen auf. Des Weiteren konnte die Marschgeschwindigkeit stark gesteigert werden, da die Soldaten ihr Gebäck von nun an selbst trugen und nicht mehr auf den langsamen Begleittross angewiesen waren.
Die ebenfalls mit der Heeresreform verbundene Tatsache, dass jeder Soldat nach 16-jährigem Dienst ein Stück Land bekam und diesen Anspruch nur mit Hilfe seines Heerführers durchsetzen konnte, führte schließlich zu einem Abhängigkeitsverhältnis welches die Loyalität der Soldaten vom Staat in Richtung Heerführung verschob und somit mit werantwortlich ist für die römischen Bürgerkriege.

Römische LegionDie Heeresreformen des Marius führten ausserdem dazu, dass sich die römische Armee nach und nach in eine Berufsarmee verwandelte, wodurch ab der Kaiserzeit (27 v. Chr.) immer ein stehendes Heer vorhanden war. Die größe einer Legion betrug zu dieser Zeit 5.500 Mann, wobei der Kavallerieanteil nur noch bei 120 Reitern lag. Bei Feldzügen wurde jede Legion ausserdem von Hilfstruppen (Auxiliartruppen) begleitet, die noch einmal aus etwa 5.000 Mann bestanden.
Zur Ausrüstung der Legionäre gehörte zu dieser Zeit ein ca. 50 cm langes Kurzschwert (Gladius), zwei Wurfspieße (Pila), eine Körperpanzerung und der Helm. In der späteren Kaiserzeit wurde das Kurzschwert durch ein längeres Schwert (Spatha) ersetzt und die Soldaten hatten zusätzlich einen Dolch.

Innerhalb einer Legion existierten verschiedene Dienstgrade. Das nebenstehende Bild zeigt von links: Einen einfachen Soldaten (miles gregarius), einen Hornbläser (cornicen) und einen Feldzeichenträger (signifer). Daneben gab es z.B. noch die immunes, die vom Wachdienst befreit waren, einen Waffenwart (custos armorum) und viele verschiedene Unteroffiziersgrade (Principales), zu denen u.a. auch der bereits erwähnte Feldzeichenträger gehörte. An der Spitze schließlich stand ein Stab aus elf Offizieren.

Wurde eine Legion in Marsch gesetzt so eilten Kavallerie und Leichtbewaffnete in kleinen Gruppen voraus um die Lage zu erkunden und so den Weg zu bereiten. Dahinter folgten Pioniere für das überwinden von Hindernissen und eine Abordnung zum abstecken des nächsten Lagerplatzes. Erst dann folgten der Generalstab und schließlich die restlichen Soldaten. Ganz am Ende des langen Trosses gab es noch die sogenannte Nachhut, bestehend aus Hilfstruppen, Sklavenhändlern, Familien der Soldaten, Händlern etc.

Kam es schließlich zum Kampf mit einer feindlichen Einheit, so wurden die Gegner erst mit einem Wurfspießhagel überschüttet, ehe die Soldaten ihre Ordnung schlossen und der Feind auf einen undurchdringlichen Schildwall stieß. Mit Hilfe des Schwertes versuchten die vordersten Männer nun ihren Gegner zu attackieren. Gefallene Legionäre wurden direkt durch den Hintermann ersetzt, so dass die Lücken stets geschlossen blieben. Ausserdem bestand jederzeit die Möglichkeit per Befehl die erste Reihe zurückzuziehen um Erschöpfungen vorzubeugen. Diese Geschlossenheit der römischen Linien war einer der Hauptgründe für ihre Stärke und die Überlegenheit gegenüber anderen Heeren. Ebenfalls bekannt, z.B aus vielen Filmen und Büchern, ist die sogenannte Schildkrötenformation (testudo), bei der die Soldaten auch von oben mit Schildern geschützt waren. Sie wurde zum Zwecke der Beschussabwehr, vor allem bei Belagerungen verwendet.

Nachdem der Aufbau der Römischen Armee fast 300 Jahre unverändert geblieben war, wurden während der Krisenjahre des 3. Jahrhunderts Reformen immer dringlicher.  Nachdem es 244 und 260 n. Chr. zu schlimmen Niederlagen gegen die Goten und die Sassaniden gekommen war setzte Kaiser Gallienus weitreichende Reformen um. So wurde z.B. der Kavallerieanteil erhöht und Berufsoffiziere als Kommandanten eingesetzt. Diese Massnahmen führten schließlich dazu, dass das Römische Reich ab 268 n. Chr. über einen sehr langen Zeitraum keine einzige wichtige Schlacht mehr verlor und seinen frühen Untergang abwenden konnte. Auch das Aussehen der Legionäre änderte sich ab diesem Zeitpunkt schleichend, so wurden z.B. die Helme bald nach persischem Vorbild gefertigt, während die Schilde Rund wurden.
Trotz dieser letzten Reformschritte lösten sich die Legionen im Westen des Reiches ab dem 5. Jahrhundert nach und nach auf, vor allem weil das Reich nicht mehr in der Lage war reguläre Truppen zu finanzieren. Nach dem Untergang Westroms im Jahre 476 n. Chr. existieren in Ostrom weiterhin Legionärstruppen, ehe diese gegen Ende des 6. Jahrhundert einer weitreichenden Reform zum Opfer fielen und ebenfalls aufgelöst wurden.


Marine

Römische Schiffe Neben den Legionen und Hilfstruppen (Auxiliartruppen) hatte das römische Militär noch eine weitere wichtige Stütze: Die Marine bzw. Flotte. Sie entstand zwar bereits relativ früh in der römischen Geschichte, bestand aber vor den Punischen Kriegen nur aus sehr wenigen Schiffen. Hauptaufgabe während der Anfangszeit war das Patrouillieren vor Italiens Küste und in Flüssen. Dennoch konnte bereits 338 v. Chr. gegen Antium ein wichtiger Sieg auf See errungen werden.
Mit dem Ausbruch des ersten Punischen Krieges (264 v. Chr.) standen die Römer plötzlich einer großen Seemacht gegenüber, gegen die sie auf dem Meer keinerlei Chance hatten. Erst der massive Ausbau der römischen Flotte und die neu eingeführte Taktik der Enterbrücke, die aus einer Seeschlacht de facto einen Landkrieg machte, führten dazu, dass bei Mylae (260 v. Chr.) erstmals eine Seeschlacht gegen die Karthager gewonnen werden konnte.

Auch in den darauffolgenden Jahren spielte die römische Flotte eine wichtige Rolle, z.B. bei den Eroberungen im östlichen Mittelmeer. Erst als schließlich der gesamte Mittelmeerraum unter römischer Kontrolle stand, verschob sich die Hauptaufgabe der Marine hin in Richtung Pirateriebekämpfung. Dennoch spielte sie auch Militärisch weiterhin eine wichtige Rolle, z.B. als Julius Caesar 55 v. Chr. erstmals in Britannien landete.
Besondere Bekanntheit erlangte die Flotte auch in den Bürgerkriegen, als es zwischen dem späteren Kaiser Augustus und seinem Rivalen Marcus Antonius im Jahre 31 v. Chr. zur berühmten Schlacht bei Actium kam, in deren Folge sich sowohl Marcus Antonius als auch seine Verbündete Kleopatra das Leben nahmen.

Während der frühen Kaiserzeit spiele die Marine eine wichtige Rolle beim Truppentransport und der Versorgung, vor allem in Germanien. Expeditionen führten bis nach Sewastopol (57 n. Chr.), Nordschottland (82 - 85 n. Chr.) und sogar in den Persischen Golf, ehe die Reichskrise des 3. Jahrhundert auch die Flotte erreichte. Erstmals konnten nun auch germanische Stämme eine schlagkräftige Armada aufstellen und die Römer bei zwei Überraschungsangriffen (256 n. Chr.) schlagen. An den römischen Posten von Donau und Kaukasus gingen zahlreiche Schiffe verloren und fielen in die Hände des Feindes. Erst Jahrzehnte später beruhigte sich die Lage wieder.
330 n. Chr. wurden beide Hauptflottenverbände nach Konstantinopel verlegt und Seeschlachten wurden zunehmend seltener. In der Spätzeit des Römischen Reiches war vor allem die Sicherung der Nordgrenze an Rhein und Donau eine wichtige Aufgabe der Marine. Nach 439, als die Vandalen die Seeherrschaft über das westliche Mittelmeer errangen, spiele die Flotte (zumindest in Westrom) keine Rolle mehr, zumal deren Unterhalt nicht mehr bezahlbar war. In Ostrom hingegen war die Marine weiterhin von wichtiger Bedeutung und wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte zur byzantinischen Flotte.


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"Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss"